Glücklich trotz Parkinson – ein Widerspruch?

Wie oft hast du dich schon gefragt, wie es mit dir und Parkinson weitergeht?

Das Grübeln liegt in der Natur des Menschen.

Wie geht es weiter? Wie verläuft die Erkrankung? Was kann ich dagegen tun?

Aber stopp! Vielleicht überfällt dich in diesem Augenblick die Angst vor dem, was da noch kommt. Die Angst vor der Hilflosigkeit oder, davor anderen Menschen zur Last zu fallen.

Normalerweise ist die Angst ein guter Schutzmechanismus vor Gefahren. Die Angst lässt uns aufmerksamer werden und sorgt dafür, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Im Fall einer Parkinson Erkrankung ist diese Angst und das ewige Grübeln hinderlich, denn die Angst kann lähmend wirken.

 

Warum sollte ich gegen alle Widerstände ankämpfen, wenn ich am Ende doch verliere?

Die Müdigkeit, die Nebenwirkungen von Medikamenten und eine vielleicht vorhandene Depression können das Handeln zusätzlich schwierig machen.

Trotzdem: Werde aktiv!

Heute möchte ich dir zeigen, was du alles beeinflussen kannst, um trotz Parkinson glücklich zu werden.

 

1. Nimm deine Ängste ernst!

Deine Ängste und all die Gefühle in dir sind wichtig. Ich schiebe meine Ängste und negativen Gefühle gerne zur Seite, rede mir ein, dass es mit ein bisschen positivem Denken getan ist, aber mal ehrlich: Was ändert das?

Als hilfreich hat sich für mich eine ganz andere Methode erwiesen.

 

Frag dich lieber: Was fühlst du gerade? Wovor genau hast du Angst?

Nimm deine Gefühle ernst.

 

Sobald du weißt, wovor du dich fürchtest, wird dich vermutlich die ganze Angst umspülen.

Du wirst sie vielleicht kaum aushalten können. Aber je mehr du in diesen Schmerz hineinfühlst, desto eher wirst du feststellen, wie unrealistisch die Angst teilweise sogar ist.

 

Außerdem kannst du dich mit der Frage befassen, was du jetzt tun kannst.

Wenn du Angst hast, dass deine Kinder die falschen Entscheidungen für dich treffen, könntest du dich darauf konzentrieren, wie eine gute Entscheidung für dich aussehen könnte. Im Anschluss kannst du mit deinen Kindern reden.

Stell dich nicht hilfloser als du bist. Werde aktiv.

 

2. Verändere dein Denken!

Die Art, wie wir über uns selbst und die Welt um uns herum denken, ist die größte Einschränkung.

Wenn ich erwarte, ich kann mir nicht helfen, dann werde ich nicht aktiv.

Wenn ich aber glaube, dass mir Bewegung, ein anderer Arzt oder einfach nur Meditation helfen könnte, dann kann ich auch aktiv werden.

Dein Denken ist eine riesen Chance für dich. Wenn du deine Gedanken erziehst, dann kommst du weiter.

 

Um das vorherige Beispiel noch mal aufzugreifen: Wenn du glaubst, deine Kinder würden nicht mit sich reden lassen, führst du kein Gespräch. Selbstverständlich ist es eine Herausforderung über Themen wie deinen letzten Willen zu sprechen, aber nur wenn du deine Wünsche äußerst, dann kannst du etwas bewegen.

Selbst wenn du feststellst, dass deine Tochter oder dein Sohn überfordert ist, kannst du noch nach einer anderen Lösung suchen.

 

Dein Denken verursacht noch viel mehr. Dein Denken beeinflusst deine Gefühle. Wenn du denkst, dass du schlecht dran bist, weil du Parkinson hast, wirst du dich unabhängig von allen Umständen mies fühlen.

Wenn du denkst, dass heute einfach nur ein schlechter Tag ist, wirst du gelassener sein und auch lösungsorientierter. Automatisch geht es dir schneller wieder besser.

 

3. Sorge für ausreichend Entspannung!

Alle Reize passieren im Gehirn das Gefühlszentrum.

Wenn du aufgeregt bist, abgehetzt, dich überfordert fühlst und traurig, ist dein Gefühlszentrum in Alarmbereitschaft. Es wird aufgrund dessen die Prozesse einschalten, die für das Kämpfen und Flüchten verantwortlich sind. Dadurch kannst du die Reize aus der Umgebung nicht mehr optimal verarbeiten. Dein Körper kann nicht optimal regenerieren und dadurch schwächst du dich.

Die Parkinson-Symptome sind jetzt auch stärker.

Der Tremor ist erhöht, dein Blutdruck spielt verrückt. Du bist müde und kannst trotzdem nicht schlafen, weil du nachts zur Toilette musst. Und dann ist da die Steifheit, durch die du nicht gut aufstehen kannst.

Daher: Durchbreche den Teufelskreis und such für dich nach unterschiedlichen Strategien, die dir helfen, dich zu entspannen.

 

Geeignet sind:

  • Entspannungsübungen wie Autogenes Training
  • ruhiges/konzentriertes Bewegen (Qui Gong/Yoga)
  • Spazieren gehen/walken/joggen
  • Meditation
  • Rituale wie eine Tasse Tee, ein angenehmes Bad, Schwimmen, Radfahren, Sauna, wenn du es verträgst.

 

4. Geh unter Leute!

Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen andere Menschen, andere Reize, einfach mal Abwechslung.

Das Eine sind die körperlichen Zuwendungen.

Jemand, der dich berührt, kann dir so viel Gutes tun. Oder jemand, der dir zuhört.

Und, nein, in Gesprächen sollte es nicht immer nur um Parkinson gehen. Ich glaube, kein Mensch kann es aushalten, immer nur über eine Sache, sei es ein bestimmtes Thema oder eine Krankheit, zu reden oder daran zu denken.

Auf die Dauer langweilt oder nervt das Thema.

Manchmal tut es einfach gut, gemeinsam zu lachen, ein Spiel zu spielen, in Erinnerungen zu schwelgen oder auch daran teilzuhaben, was im Leben von anderen Menschen gerade los ist. Das lenkt ab und schult deinen Geist.

 

Ich weiß, wenn du jung bist, knüpfst du leicht Kontakte. Aber später, oder wenn du schon älter bist, werden deine Bahnen, die du läufst, immer kleiner.

Der Job fehlt oder ist nur eingeschränkt möglich.

Der Sport und die Freizeitgestaltung beschränkt sich immer mehr.

Du erlebst wenig oder nichts neues mehr.

Mach deine »Umlaufbahn« größer. Such dir Menschen, die dir zuhören wollen oder die dir etwas erzählen.

 

5. Achte auf deine Bedürfnisse!

Ich kenne mich. Ich weiß, wie ich ticke. Wenn ich mir vorstelle, ich würde jeden Tag nur im Haus sitzen und darauf warten, dass es Abend wird, würde ich wahnsinnig werden.

Ich brauche die frische Luft. Ich bin gerne in der Natur. Deshalb arbeite ich, so wie es geht, draußen. Für mich ist es die größte Strafe, bei schönem Wetter im Haus bleiben zu müssen.

Wie ist das bei dir? Welche Bedürfnisse hast du?

Erfülle sie dir so gut es geht und schränke dich nicht gleich vorher ein, weil du denkst, das ist jetzt zu anstrengend oder damit falle ich anderen zur Last.

Geh nach draußen in die Sonne.

Tu das, was dich glücklich macht. Das stärkt die Abwehr, macht dich aktiv glücklich.

Was ist deine eine Sache, auf die du nicht verzichten kannst (und es im Moment vielleicht trotzdem tust)?

 

6. Übernimm für dich die Verantwortung!

Es ist ein riesiger Unterschied für dein Leben, dein Selbstbewusstsein und deine Zufriedenheit, ob du selbst entscheidest oder ob du fremdbestimmt lebst und auf die Meinung, Taten oder Lösungen eines anderen Menschen angewiesen bist.

 

Welche Rolle spielst du in deinem Leben?

Nimmst du die Opferhaltung ein oder hast du sie schon verlassen?

Lass dich beraten. Frage andere Menschen nach ihrer Meinung. Aber entscheide selbst, was du willst und handele dementsprechend. Und setze dir Ziele!

 

7. Stärke deinen Glauben!

In der Praxis habe ich immer wieder erlebt, dass manchmal gar nichts helfen will. Vieles liegt an der Einstellung oder dem, an dem wir glauben.

Ein ganz anschauliches Beispiel war einer meiner Patienten mit Rückenproblemen. Ich kannte ihn schon über Jahre. Seine Rückenbeschwerden kamen in regelmäßigen Abständen zurück, aber sie waren mit Training gut beeinflussbar.

Bis zum Schluss. Da ging nichts, aber auch gar nichts mehr.

Egal, was ich versucht habe, es hat nicht geholfen. Es war nicht so, dass der Patient es nicht wollte. Er hat alles mitgemacht. Aber irgendwie war er nicht ganz dabei.

Daraufhin habe ich ihn gefragt: Woran glaubst du?

Er war erschüttert. Über die Frage und die Idee, dass sein Glaube und die Rückenbeschwerde miteinander zusammenhängen könnten.

Er hatte in diesem Augenblick tatsächlich seinen Glauben verloren.

Wir hatten vorher nie über das Thema gesprochen, aber er war eigentlich ein sehr gläubiger Mann, aber aus irgendeinem Anlass hatte er seinen Glauben verloren.

Als er sich des Zusammenhangs bewusst wurde, fand er zu seinem Glauben zurück. Und damit kam auch die Lösung für seine Rückenschmerzen. Er sah wieder eine Perspektive, fasste neue Entscheidungen und ging seinen Weg.

Deshalb spüre in dich hinein.

Woran glaubst du?

 

Oder hast du deinen Glauben ebenfalls verloren, weil du an Parkinson erkrankt bist? Oder gibt es einen anderen Grund dafür?

Geh in dich!

Wenn du nicht daran glaubst, dass das, was du tust, einen Nutzen hat, wirst du weniger tun.

Es ist wichtig, dass du an etwas glauben kannst. Nimm dein ganzes inneres Wissen zusammen und such für dich nach deiner persönlichen Antwort auf die Glaubensfrage.

 

Meine 7 Tipps mögen sich auf dem ersten Blick alle sehr vage anhören, aber wenn du die Ansätze einen nach dem anderen ausprobierst, wirst du neue Erkenntnisse finden.

 

Es ist deine Wahl, ob du alles beim Alten lässt oder an einer neuen Lösung arbeitest. Probiere etwas Neues aus.

Du kannst:

  1. Deine Ängste ernst nehmen und deine Gefühle verändern
  2. Deine Gedanken schulen
  3. Dich entspannen
  4. Dich mit Menschen austauschen
  5. Deine Bedürfnisse stillen
  6. Die Verantwortung für dich und dein Leben übernehmen
  7. Deinen Glauben stärken

 

Und wenn all diese sieben Ansätze nicht helfen, dann kannst du dir immer noch die Frage stellen:

Was oder wer dir jetzt helfen könnte, aktiv glücklich zu leben.

 

Manchmal haben wir einfach blinde Flecken. Wir geben uns so viel Mühe, aber sehen nicht, worüber wir wirklich stolpern. Dabei sehen wir das bei anderen Menschen ganz einfach.

Vielleicht geht es dir auch so. Vielleicht gibt es aber jemanden oder eine andere Tätigkeit, die dir gerade jetzt sehr gut tun könnte.

Viel Erfolg dabei und schreib mir doch unten ins Kommentarfeld, was dich zurzeit bewegt.

Ich würde mich freuen!

Bis ganz bald

Silke