Das Leben mit Parkinson

Wenn du einen Parkinson-Erkrankten pflegst oder mit ihm zusammenlebst, dann fällt dir das Leben nicht jeden Tag gleich leicht. Viele Angehörige haben Schwierigkeiten mit der neuen Situation. Das betrifft nicht immer nur pflegende Angehörige, sondern kann auch schon zutreffen, wenn du mit einem Parkinson-Erkrankten zusammenlebst.

Es geht dann leicht, oft und ausführlich um den kranken Partner. Wie geht es ihm? Was macht er? Wie kann man ihm helfen? Leicht frisst das deine Energien auf. Du reagierst anders, als du es dir wünschst, hast weniger Geduld und manchmal eskaliert die Situation dann auch. Du machst deinem Partner Vorwürfe, obwohl du es eigentlich gar nicht möchtest.

 

Warum geht es hier um die Angehörigen?

Ganz einfach, weil ich denke, dass ein gutes Miteinander, ein fester Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis dir in deiner Situation, egal ob du direkt betroffen oder indirekt betroffen bist, weiterhelfen kann. Ich habe mich schon oft mit beiden Partnern unterhalten. Nicht immer ist der Betroffene das schwächste Glied in der Kette. Und ich persönlich stärke am liebsten alle Seiten.

Wichtig ist das gegenseitige Verstehen. Das setzt reden und zuhören voraus, aber auch das Verstehen der Erkrankung und damit der typischen Veränderungen. Parkinson ist nämlich nicht eine rein motorische Erkrankung. Auch die Motivation und die Verarbeitung der Reize sind verändert. Es kann sein, dass der Betroffene sein Problem selbst nicht erkennt. Und selbst wenn er das Problem sieht, heißt das nicht, dass er eine Lösung parat hat. Und selbst wenn er eine Lösung hätte, heißt das nicht, dass er sie automatisch umsetzt.
Wenn du das alles aber erwartest oder dich persönlich angegriffen oder abgewertet fühlst, dann habt ihr ein Problem!
Gerne helfe ich dir oder euch gemeinsam, es zu lösen.

 

Was ist wichtig, um glücklicher mit einem Parkinson-Erkrankten zu leben?

Neben dem Verstehen ist wichtig, dass du dich um dich selbst kümmerst und für dein eigenes Wohlbefinden sorgst. Außerdem könnt ihr gemeinsam das Zusammenleben selbst verbessern.

Vorweg gebe ich dir hier eine Übersicht. Anschließend erkläre ich dir die einzelnen Punkte. Viele klingen harmlos. Als ob sie nichts bringen würden. Ja, tatsächlich, wenn du die Tipps nur liest, wirst du keine Veränderung spüren. Du musst sie anwenden. Manchmal reicht es, wenn du dir zwei oder drei aussuchst und anwendest. Wenn aber wirklich der Wurm drin ist, dann hilft nur an vielen Stellschrauben zu arbeiten.

 

Fünf Tipps für dein Wohlbefinden:

1. Erfülle deine eigenen Grund-Bedürfnisse.
2. Mache mindestens 1 Mal pro Woche mit dir einen Termin.
3. Mache Sport und bewege dich regelmäßig.
4. Sorge für deine Entspannung.
5. Arbeite an deinen Gefühlen und Gedanken.

 

Tipps für das Zusammenleben

1. Überlege dir, wie der Tag besser laufen könnte.
2. Nimm Hilfe in Anspruch.
3. Verschaffe dir Klarheit, was du tun kannst.
4. Führe Gespräche mit dem Betroffenen.
5. Fördere und unterstütze den Betroffenen.

 

Uff. Das sieht ziemlich nach Arbeit aus. Ja und nein. Klar ist es Arbeit, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Aber wenn du so weitermachst, wie bisher, dann wird es höchstens schlimmer. Ich lade dich ein, schrittweise Veränderungen vorzunehmen.

Wenn du arg gestresst bist, versuche es zuerst mit den Tipps für dein Wohlbefinden. Sag jetzt nicht, dass das nicht geht. Das ist leider eine Ausrede. Wenn du willst, geht es. Immer!

Ich habe schon Frauen gesehen, die alleine zu Hause Tag und Nacht ihren Mann versorgt haben, der im Wachkoma lag. Nebenher haben sie ihre Kinder versorgt. Allen fiel es schwer. Aber nur die halten es wirklich durch, die sich dabei auch um sich selbst kümmern.

 

Wie du dich um dich selbst kümmerst

Erfülle deine eigenen Grund-Bedürfnisse

Welche Bedürfnisse hast du selbst? Was brauchst du, um gut durch den Tag zu kommen? Wo wünschst du dir mehr Ruhe? Wann brauchst du z. B. erstmal selbst etwas zu essen?

Gehe deinen Tag durch und suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Nimm dir hierfür die Zeit!

Wenn du merkst, dass du schon am Morgen gestresst bist, schau hin. Was kannst du verändern?

Niemand muss morgens duschen, weil er es immer so gemacht hat! Du kannst nahezu alles ändern. Vielleicht nicht alleine, aber in Absprache. Wichtig ist nur die regelmäßige Medikamenteneinnahme und dass diese in ausreichendem Abstand zu den Mahlzeiten ist.

Schau hin, was dich stört und ändere ein paar Gewohnheiten. Oder führe, falls du das noch nicht hast, eine tägliche Routine ein.

Mache dir einen Plan.

Schau dir an, was du brauchst und wie du es erfüllen kannst. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist nur, dass du ausreichend auf deine Kosten kommst. Das Konto zwischen Geben und Nehmen muss ausgeglichen sein.

 

Mache mindestens ein Mal pro Woche mit dir einen Termin.
Im Alltag vergessen wir oft, worum es wirklich geht. Eigentlich wollen wir doch mit Freude leben. Das Leben soll schön sein und einen Sinn haben. Ein glückliches Leben besteht nicht nur aus einer Aneinanderreihung von wichtigen Terminen.

Schenke dir mindestens einmal die Woche einen schönen Moment. Geh zur Fußpflege, zum Schwimmen, Kartenspielen oder zur Massage. Irgendetwas, woraus du wirklich Kraft schöpfst. Wenn du mehr brauchst, schenke dir mehr Glücksmomente. Sei ehrlich zu dir. Und ehrlich sein bedeutet in dem Fall auch, dass du mogelst, wenn du nur zur Fußpflege gehst, weil du ein Hühnerauge hast.

Sport oder zumindest Bewegung sollte ebenfalls auf deinem Programm stehen.

Überlege dir:

Was kannst du gut machen?
Was wäre dein Lieblingssport?
Wie kannst du das ausführen?

Bremse deinen Gedanken „Das geht sowieso nicht!“ Suche nach einem Kompromiss und überlege dir, wie du starten kannst.

 

Sorge für Entspannung

Entspannung und Pausen sind wichtig im Leben. Damit ermöglichst du überhaupt erst eine Regeneration. Ohne die nötige Regeneration hast du das Risiko, dass du krank wirst. Besonders in stressigen Phasen solltest du daher etwas zur Entspannung tun.
Es kann sein, dass es dir ausreicht, wenn du einmal pro Woche deinen Termin mit dir hast. Vielleicht brauchst du aber auch täglich eine kleine Dosis. Das kann eine Entspannungsübung, Atemübung oder eine Meditation sein. Wichtig ist aber auch, dass du regelmäßig eine Pause machst.

Probiere es aus und verändere etwas in deinem Leben.

 

Mit diesem ersten Paket steigerst du erstmal dein Wohlbefinden. Alles andere kommt morgen!

Bleibe fit trotz Parkinson

Silke

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