Was du gegen Schluckstörungen bei Parkinson tun kannst – Abwarten oder Handeln?

Schluckstörungen bei Parkinson, ja! Aber ist Husten im Normalfall ein Phänomen, bei dem du hellhörig wirst?

Oder geht es dir da so wie mir. Husten und Schnupfen gehört einfach dazu, wenn man Kinder hat oder »alt« wird. Das ist nur die Infektanfälligkeit. Deshalb werden Grippeimpfungen ja auch empfohlen.

Das ist schnell gesagt und noch viel schneller gedacht.

Doch, was ist, wenn du dich häufig räusperst?

Eine Schluckstörung ist das doch wohl noch lange nicht, oder?

 

Dieser Frage ist die Logopädin Petra Hamacher in ihrem Vortrag “Zusammenhänge zwischen Schlucken und Sprechen – wie sinnvoll ist ein früher Therapiebeginn?” nachgegangen.

 

Kennst du das? Irgendwie sitzt ständig ein Frosch in deinem Hals. Vielleicht merkst du es selbst gar nicht, sondern wirst irgendwann darauf angesprochen.

Aber ist das ein Grund zum Arzt zu gehen?

Es gibt doch wirklich keinen Grund, das bisschen Husten ernstzunehmen. Was soll schon dahinterstecken? Man will ja kein Hypochonder sein.

Und schon wieder zum Arzt?

Lieber nicht. Lieber abwarten.

 

Geht es dir auch manchmal so? Erkennst du diese Gedanken?

Kennst du auch eins oder mehrere, der folgenden Anzeichen?

  • Beim Sprechen geht dir die Luft aus.
  • Du hast zuviel Speichel im Mund.
  • Du verschluckst dich an Nüssen.
  • Du telefonierst ungern.
  • Du bist oft heiser.
  • Du erhältst immer wieder die Aufforderung, lauter zu sprechen.
  • Du findest das Sprechen anstrengend.

Mal ehrlich, wie viele dieser Anzeichen treffen auf dich zu?

 

Was könnte hinter diesen Anzeichen stecken?

Bei 80-90 % der an Parkinson Erkrankten entsteht eine Stimm- und Sprechstörung.

 

Doch wie verläuft bei Parkinson eine Sprechstörung?

Am Anfang ist die Stimme rau.

Im weiteren Verlauf wird die Artikulation undeutlich. Man nuschelt.

Aus dem Nuscheln wird ein Stottern.

Die Sprechflüssigkeit nimmt ab und am Ende wird die Abstimmung zwischen Atmen und Sprechen schwierig. Insgesamt sind Atmen und Sprechen komplexe Bewegungsabläufe. Da kann leicht etwas aus dem Gleichgewicht geraten.

Aber was ist schon schlimm daran?

 

Wie verläuft eine Schluckstörung?

Eine Schluckstörung hingegen fängt bei zu viel Speichel an.

Die Schluckfrequenz ist verlangsamt.

Es kommt zum Räuspern.

Im weiteren Verlauf vermeidet man vielleicht bestimmte Speisen, mit denen man Schwierigkeiten hat.

Und zum Schluss könnten es regelmäßige »Infekte« sein.

 

Doch vielleicht steckt gar keine bakterieller oder viraler Infekt dahinter, sondern eine Schluckstörung, bei der Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Da die Atemwege mit der Nahrung nichts anfangen können und als Fremdkörper identifizieren, entsteht eine vermehrte Schleimproduktion. Sollte sich der »Fremdkörper« festsetzen, kann daraus eine lebensbedrohliche Lungenentzündung werden.

 

Daher: Früher für später vorsorgen!

Handel gleich.

Zögerst du dennoch?

 

Für das Zögern könnte es folgende Gründe geben:

Nicht nur die Motorik ist verlangsamt. Sondern das sensorische Feedback, das man über die Bewegung oder das Handeln erhält, wird nicht so schnell und deutlich wahrgenommen. Auch hier fehlt das Dopamin.

Man räuspert sich zwar ständig, aber die Chance, dass es einem bewusst wird, ist geringer.

Und selbst wenn es einem auffällt, dann zieht man – ebenfalls verlangsamt – Rückschlüsse darüber, was es bedeuten könnte.

Das heißt, bevor dir das Problem bewusst wird, bist du schon viel weiter im Prozess.

Und bevor du dir über die Auswirkungen und Ursache klar wirst, die das ständige Räuspern nach sich zieht, vermeidest du vielleicht sogar schon bestimmte Speisen.

 

Ist dir das Thema unangenehm? Oder glaubst du vielleicht sogar, dass du doch nichts an den Symptomen ändern kannst?

Glaubst du vielleicht, dass die Schluck- und/oder Sprachstörung eine weitere Gegebenheit ist, die du hinnehmen musst?

Das ist nicht so!

Werde aktiv, denn die reduzierte Muskelkraft wird weiter abnehmen, wenn du nichts dagegen tust.

Aber nicht nur die Muskelkraft nimmt ab. Auch die Muskelkoordination, also das Zusammenspiel der Muskeln, verändert sich.

Das Essen und Trinken erfordert komplexe Bewegungsabläufe, die auf eine gezielte Koordination zwischen den an die hundert Muskeln, aber auch zwischen Atmung und Schlucken, angewiesen ist.

Nur zu leicht kannst du dich verschlucken.

Das Verschlucken bedeutet, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Ein Hustenreflex wird ausgelöst, um die Nahrungsteile wieder in den Rachen zurückzuschleudern.

Verbleiben die Nahrungsteile in den Atemwegen und setzen sich dort fest, können Entzündungen bis hin zu einer Lungenentzündung entstehen.

Eine Lungenentzündung beginnt typischerweise mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen. Die Betroffenen leiden an Husten mit Auswurf und teilweise ausgeprägter Atemnot. Auch eine erhöhte Körpertemperatur ist häufig messbar.

 

Doch wie kam es zu der Schluckstörung?

Die Schluckfrequenz verringert sich unbemerkt. Normal schluckt man ein Mal pro Minute.

Des Weiteren nimmt die Intensität des Schluckens durch die verminderte Kraft ab. Dadurch können Essensreste oder Speicheln nach dem Schlucken im Mund zurückbleiben oder den falschen Weg nehmen.

Doch das ist ja nicht alles.

Auch deine Psyche beziehungsweise dein Wohlbefinden hat einen Einfluss auf das Schlucken und Sprechen.

Wenn du dich unwohl fühlst bzw. innerlich oder äußerlich unter Druck stehst, dann verstärken sich deine Beschwerden. Der Tremor in der Hand nimmt zu. Die Suppe kleckert überall hin und du wirst noch nervöser. Dabei ist es dann nicht verwunderlich, wenn du noch schlechter kaust, hastiger ist und sich dadurch verstärkt verschluckst.

 

Um es auf den Punkt zu bringen:

 

Von Sprech- und Schluckstörungen sind 80-90 % der an Parkinson Erkrankten betroffen.

 

Es ist nicht deine Schuld oder dein Versagen!

Sprech- und Schluckstörungen sind dennoch sehr unangenehm und sogar im weiteren Verlauf gefährlich, weil sie zu einer Lungenentzündung führen können.

Sprechstörungen können dich in deinem Leben und deiner Selbstständigkeit einschränken. Es wird für dich immer schwieriger werden, dich zu äußern. Dabei ist das Sprechen ein wichtiges Instrument für den Austausch und das Äußern von Wünschen.

Nutze daher früh die Möglichkeit, deine Ressourcen länger zu behalten. Fange früh mit erfolgsversprechenden Übungen an, die du bei einem Logopäden erlernen kannst.

Denke daran, dass das Anlernen von Fähigkeiten bei Parkinson schwieriger ist. Traue dich und steuer frühzeitig gegen.

Doch was kannst du tun, wenn du die oben genannten Anzeichen bei dir beobachtest? Was kann dir noch helfen, wenn du schon eine Therapie hinter dir hast, die dir nichts gebracht hat?

Es gibt die sogenannte LSTV Loud Sprechtherapie für Parkinson-Patienten, die nicht nur die Logopädin Frau Hamacher in ihrem Vortrag am Bewegten Tag vorstellt, sondern auch in der Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie explizit empfohlen wird. Diese Sprechtherapie kannst du innerhalb von vier Wochen mit einem intensiven Übungsprogramm erlernen und später unabhängig von einem Therapeuten durchführen.

 

Hilft dir dieser Beitrag? Oder hast du schon Erfahrungen mit einer Sprechtherapie gemacht? Schreibe mir doch einen Kommentar ganz unten auf der Seite. Ich würde mich freuen.

 

Nutzen deine Chance und bleibe fit trotz Parkinson!

Bis dahin

Silke

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01. - 30. September 2020